Nach den Drakensbergen, die wir ja eigentlich in zwei Stationen, Norden und Süden, erkunden wollten, wir uns aber kurzerhand den Süden gespart haben, weil der ungünstig für unsere Reiseroute lag und weil wir schon so viel Zeit im Norden verbracht hatten, sind wir – besser: wollten, wir uns an die sog. South Coast begeben. Simeon hatte, wie schon leicht erwaehnt, am letzten Abend viel getrunken, so dass der Alkohol das ohnehin schon recht gemuetliche Gemuet des Reisepartners unterstuetzte und wir erst sehr spaet loskamen. Wie schon auf meiner ersten Reise sind wir dann natuerlich auch wieder mit den sich von unseren unterscheidenden Plaenen des Taxifahrers in Bedraengnis gekommen – das Taxi war mal wieder nicht voll. Erst nach 7 Uhr waren wir daher Durban, der drittgroessten Stadt Suedafrikas, die eigentlich nur eine Zwischenstation darstellen sollte. Es fuhr aber um diese Zeit kein Taxi mehr weiter nach Umzumbe, so dass wir uns entschieden, in einem recht langweiligen BP uns fuer eine Nacht einzunisten. Am naechsten Morgen die total westlich wirkende Stadt erkundet, wenn man schon mal da ist. Eine Shoppingmall, ein vollgepackter Strand, sehr viel Security ueberall und der sehr interessante indisch und afrikanisch angehauchte Victoria Street Market. In letzterem kann man viele Souvenirs erfeilschen, viel Faelscherware und indische Gewuerze. Simeon und ich hatten dann erstmal eine Grundsatzdiskussion ueber den Umgang mit solchen geklauten, kopierten Sachen. Das Durban so viele Inder beherbergt liegt an dem maechtigen Seehandel, der von der Stadt mit dem riesigen Hafen am indischen Ozean, ausgeht und der schon lange die Stadt auszeichnet.
Dann weiter an die erwaehnte Kueste, dieses mal mit einem halbleeren Taxi was uns sehr verwunderte. Es rechtfertigt sich dann aber dadurch, dass unterwegs an der Autobahn ohne Ende Leute aufgegabelt werden. Im Mantis & Moon Backpackers angekommen sind wir dann erstmal an den Strand, sehr schoen aber auch sehr steil. Nicht so schoen an der ganzen Gegend ist, dass es sehr verbraucht und mit Touristenapartments vollgepackt ist. Durch die sehr kuestennahe Strasse ist die ganze Kueste dann auch den Wuenschen der meisten Touristen nach gut erschlossen. Der BP aber ist sehr toll, ein Deutscher hat den sich hier aufgebaut. Besonders die Bar. So verbringt man dann dort schnell drei Tage mit manchmal spaetem aufstehen, surfen, einem Ausflug und einem Thaiessen. Der Ausflug ging in den Oribi Gorge Nature Park mit einer tollen Wanderung zu einem versteckten Wasserfall und anschliessender 100m-Felsschaukel. Das sieht dann so aus, dass man in wunderschoener Natur direkt an einem Wasserfall, in eine Schlucht springt, 80m frei faellt und dann so schaukelartig von dem Seil noch ein paar mal mit viel Schwung durch den Fall hin- und hergeschaukelt wird. Simeon hatte leider zu viel mit seiner Hoehenangst zu kaempfen, also musste ich als einziger springen. Ein Wahnsinnserlebnis. An das Thaiessen sind wir durch eine Bekanntschaft in der Bar gekommen. Eine Thai und ihr britischer Ehemann – ein Schelm, wer da Boeses denkt, waren dort und haben uns fuer den naechsten Abend zu einem Essen in ihr Haus eingeladen. Es war soo gut. Durch ein paar sehr komische Deutsche, nein, eher sehr typische, sind wir dann umsonst nach Coffee Bay gekommen, wo ich ja schon auf meiner ersten Reise war. Dummerweise hatte ich aber Simeon zu viel Gutes von dort erzaehlt, so dass er dort auch hinmusste. Typisch deutsch war in dem Fall: Fuer 14 Tage einen dicken Bus gemietet, schnell im Eiltempo verschiedene Attraktionen in Suedafrika abgeklappert und bitte schoen waehrend der Fahrt durch Staedte doch die Tueren immer von innen verschliessen – wer weiss, was die Afrikaner da draussen so anstellen koennen! Zwei aeltere Rechtsanwaelte aus Bayern und ihre Frauen.
In Coffee Bay die bekannten Leute erneut begruesst und das tolle Leben dort genossen: Eine tolle Wanderung mit dem wundervollen Lindani in eine Meeresbuchhoehle mit Fledermaeusen und anschliessendem von einem Felsen ins Meer springen. Danach noch surfen am tollen Strand. Am naechsten Tag schon wieder aufgemacht zum BP in Mdumbi, die Kueste wieder gen Norden. Drei Stunden entlang der wundervollen Kueste der Wild Coast mit einer Flussueberquerung mit Boot. Der BP in Mdumbi ist recht ruhig, Jungs, die am Tor uns anbieten, Feuerholz zu sammeln und damit ein wenig Geld zu verdienen, ermoeglichen uns ein tolles Lagerfeuer am Abend. Zuvor haben wir noch kaltbluetig den gekauften Crayfish in kochendes Wasser geworfen und mit Nudeln verspeist. Sehr lecker, ein wenig wie Hummer wuerd ich schaetzen. Das letzte Gespraech am Feuer noch sehr genossen, fuer Simeon ging es dann am naechsten Tag leider zurueck nach Mthatha, dann Port Elizabeth und dann – Deutschland. Er hatte vor nicht allzu langer Zeit mit seiner Freundin Schluss gemacht, die eigentlich der Grund war, warum er nur fuer drei Monate hier war. Jetzt hatte er ueberhaupt keine Lust zurueck zu muessen. Leider hatte er den Flug aber mit vollen Stornogebuehren gebucht, also ging kein Weg drum herum. Ich habe mich dann also von dort alleine auf den Weg gemacht, nach viel Hin- und Hergedenke, weil mir eigentlich alle davon abgeraten haben, die Tour alleine zu machen, ich solle doch zumindest einen Guide arrangieren, wurde mir gesagt.
Von hier an kopiere ich einfach mal meinen Tagebuchtext:
Jetzt schreibe ich mal fuer meine Reise richtig Tagebuch. Sonst hab ich mich ja immer durch Stichworte kurzgehalten, fuer die Wanderung aber ist das nicht angebracht. Nicht angebracht, weil ich abends die Zeit habe, was daher, dass ich mein Buch verloren habe, daher also die sowieso schon Mengen von Zeit zur „oho, dass ist aber mal richtig viel -Zeit“ werden. Auf der anderen Seite wird es meiner kleinen Wanderung auch nicht gerecht nur in Stichworten im Buch zu stehen.
Spaetestens jetzt, wo ich hier alleine an meinem tollen Feuer unter sternenklarem Himmel mit Sicht auf das Meer in meiner verborgenen Lichtung sitze, habe ich das GEfuehl, mich alleine aufzumachen war die richtige Entscheidung. Hier hingekommen bin ich nach vier Stunden wandern. Musste wieder einen Fluss ueberqueren, da hat mir jemand mit so einem halbfunktionierenden Motorboot ausgeholfen. Die ganze Zeit an der Kueste entlang gewandert mit einem, dieses Mal nicht ganz so schweren, aber immer noch gut fordernden Rucksack auf dem Ruecken. Ueber Felsen, durch den Sand oder barfuss durch das anwallende Wasser. Habe auch vier Maenner getroffen, die daher kommen, wo ich hin will: Port St. Johns. Sie haben dafuer von hier aus noch drei Tage gebraucht. Habe ein kleines Geisslein einsam am Strand gefunden, mitgenommen und kurz darauf wieder abgesetzt, nachdem mir ein Junge mit gewissem Unverstaendnis klargemacht hat, dass das jawohl vollkommen normal ist und die Mama es schon bald wieder abholen kommen wuerde. Gut. Wusste ich jetzt halt mal nicht.
Die Landschaft hier ist der Wahnsinn. So furchtbar schoen und verlassen. Bilderbuchhaft und doch mit Charakter. Ich habe mein Zelt jetzt an einem Sandstrand, ein wenig in den Duenen versteckt, aufgebaut, ein Feuer gemacht und mit ein paar Jungs, die ich am Strand getroffen habe, ausgemacht, dass sie mich morgen frueh um 7Uhr mit einem Boot ueber die Flussmuendung, die als naechstes jetzt kommt, bringen und dafuer was Geld bekommen. Mal sehen, ob sie kommen. Sonst muss ich mal schauen und auf Ebbe hoffen. Ich bin an diesem Strand ganz alleine, kann nicht einmal ein Haus sehen. Es ist unvorstellbar schoen. Das Feuer brennt gemuetlich und ich braeuchte es doch nicht, weil es auch so warm ist. Ich schwebe. Ich schwebe in Wohligkeit und Genuss in einer wundervoll anderen Welt – der Orion wacht eifrig ueber mich.
Shu! Bin ich muede. Dabei ist es erst halb 9. Aber nach sieben Stunden wandern kann man auch nicht den gewohnten Rhythmus haben. Ich bin heute morgen um 7 Uhr, nachdem ich um 6Uhr knapp den Sonnanaufgang verpasst habe, aufgestanden. Dann musste ich noch mein taunasses Zelt verpacken und auch sonst war, wie so oft morgens frueh bei mir, alles etwas usselig. Die Jungs sind nicht gekommen also bin ich erstmal den Fluss etwas aufwaerts gewandert, habe aber keine Stelle gefunden, die sich zum durchqueren eignet, gefunden. In einem Ferienhaus mit Boot war ausser dem Hund noch keiner wach. Mein Blick ging schon zurueck zu meinem tollen Nachtstellplatz und die Kueste wieder herunter. Mein Kopf hat das aber gluecklicherweise nicht mitgemacht. So habe ich nach einem Probedurchgang den Fluss mit Rucksack auf dem Kopf an der fuer mich geeignet scheinenden Stelle durchwatet. Ausser das ich nicht so heiss darauf war um halb 8 morgens bis zum Bauchnabel durch das kalte Wasser zu waten war es okay. Weiter entlang der felsigen Kueste. Nach einem heftigen Anstieg mit mehreren Verschnaufpausen bin ich dann wieder anderen Wanderern begegnet. Die hatten einen Guide, was anscheinend ja manchmal echt recht praktisch sein kann – an dem Huegel mit dem ueblen Anstieg sind die dreist auf einem mir unbekannten Pfad vorbeigelaufen. Klasse. Warum aber einfach, wenn es auch schwierig geht?
Kurz darauf Jungs getroffen, die mir den weiteren Weg gezeigt haben. Fuer mich ausgewiesen gut war, dass sie unglaublich Spass daran hatten, meinen Rucksack zu tragen. Die vier tollen Jungs haben mir dann auch den naechsten Shop gezeigt, wo ich ihnen etwas Geld gegeben habe fuer ihre grosse Hilfe. Mit einem fetten Brocken im Hals sieht man dann wie die Jungs von dem Geld ein Brot gekauft haben. Wie untragbar ist diese Armut? Habe auch etwas eingekauft und ihnen dann noch das Wechselgeld in die Hand gedrueckt. Mit Freuden haben sie dann noch die kleinere meiner mittlerweile zwei Wasserflaschen entgegengenommen. Man stelle sich das mal vor: Jungs, die sich ueber eine halb mit Leitungswasser gefuellte Flasche freuen. Ich hab sie sehr ungern verlassen.
Dann durch ein Nature Reserve und ueber einen wunderschoenen langen Strand. An dessen Ende wieder Jungs gefragt nach dem Weg nach Mpande. Die haben mich dann auch mal eben direkt fuer den Rest des Tages begleitet und mir gute Abkuerzungen gezeigt. An Frauen vorbei, die mit Meereswasser Kleidung waschen und durch Wiesen und Felder. Toll hier ist das Zusammenleben von Mensch und Tier. Die meisten der benutzten Pfade werden von beiden gleichzeitig genutzt, man weiss nicht mal, wer die Pfade ins Leben gerufen hat. Viele enden oder passieren aber kleine Wasserstellen – also wahrscheinlich eher die Tiere: Kuehe, Ziegen und Schafe. Man sieht ueberall auch so viele grosse Schmetterlinge! Hier angekommen, bin ich per Zufall erstmal auf einen erfrischenden GinTonic eingeladen worden, als ich faelschlicherweise in den Garten eines Ferienhauses einer Familie eingebogen bin. Die Familie war sehr nett und der Drink sehr erfrischend. Eine Familie aus Johannesburg. Von dort weiter zum BP „the Kraal“. Der war aber leider komplett vermietet wegen einer Familienfeier. Man hat mich dann hingewiesen auf Unterkuenfte, die von den locals unterhalten werden – dort bin ich jetzt. Ein kurzer Schlaf und eine kalte Dusche haben mich ins Leben zurueckgeholt. Dann noch Samp and Beans mit Chicken und Potatoes gegessen, was trotz ersterem echt gut war. Jetzt sitze ich hier, hoere den Pub hier laut Musik spielen und gehe gleich schlafen. Eigentlich wollte ich die Familie noch mal besuchen aber dafuer bin ich jetzt zu muede und meine Fuesse schmerzen zu sehr dank beschissener Suedafrika-Sportschuhe fuer umgerechnet 9Euro. Das Dilemma ist, dass man hier ja auch das bekommt, was in Europa keiner haben will und dass wegen des schwachen Rand es sich nicht lohnt, Qualitaet herzustellen. Zum kotzen. Dabei sind die Menschen hier viel hilfsbereiter, fröhlicher – ohne sich zu jeder Zeit unseren westlichen Luxus leisten zu müssen.
Keine Ahnung, wie – aber ich habe es geschafft! In drei Tagen von Mdumbi, vier von Coffee Bay, nach Port St. Johns. Heute morgen hatte ich noch ganz kurz wieder das Angebot des BP in Mpande im Kopf, mich oder zumindest mein Gepaeck nach Port St. Johns bringen zu lassen, weil die sowieso dahin fahren mussten. Das habe ich mir dann aber erstaunlich schnell wieder aus dem Kopf geschlagen, das waere es nicht gewesen. Also bin ich nach einem tollen Fruehstueck mit Xhosabrot und porridge und nach der Verabschiedung von der tollen Haushaelterin, die kaum ein Wort Englisch verstand, losgestapft. Nach einem kleinen Fluss direkt mal die Pruefung des Tages: ein steiler Huegel, 15 Minuten aufwaerts. Das schlaucht mit meinem Rucksack schon gut, der Schweiss hatte mich da schnell wieder. Eine Frau per Zufall getroffen, die mir natuerlich gerne den Weg gezeigt hat. Langsam fingen meine Fuesse da schon wieder an zu schmerzen, grausam, diese Schuhe. Wie kann man nur so doof sein und sich so Schuhe kaufen (obwohl das noch nicht mal die guenstigsten waren)!? Alles andere war ja kein Problem, zumindest kein grosses, aber dieser staendige Schmerz verdirbt einem schon gut die Laune. Die ganze Sohle schon durchgedrueckt! Recht schnell den naechsten Fluss erreicht, hier hat es etwas gedauert, bis ich jemanden gefunden hatte, der mich ans andere Ufer gebracht hat. Am wunderschoenen Strand entlang, das Kuehlen der Fuesse im Meereswasser tut so gut! Wieder einen Jungen getroffen, der meinen Rucksack ein Stueck weit getragen hat, dann an den Klippen entlang. An der Kueste angeln viele locals, auch wenn der Ertrag wohl nicht so gross ist koennen sie damit zumindest ihre Familie miternaehren. Auch die Kleinen haben ihren Stock mit Schnur. Am letzten Fluss meiner Reise die Faehre mit einem Gong herbeigelaeutet, fuer die restliche Wegstrecke einen RedBull gekauft und genossen. „Einfach an der Kueste entlang – dann bist du in zwei Stunden da!“, so der Faehrmann. Was ein Scheiss! Die Kueste wurde zum Klippenkletterkurs und mit der Zeit haben die es hier auch nirgends – oder mein Gepaeck macht so viel aus. Irgendwann hab ich mich entschieden lieber den Hang hochzuklettern. Die fluechtenden Ziegen waren schnell ausser Sichtweite. Gluecklicherweise bin ich schnell auf den vorgesehenen Pfad gestossen, wie so oft fuehrt der auf der Kuppe des Huegels entlang. Puh – endlich mal flaches Gelaende. Trotzdem habe ich mich dann entschieden, dass meine Flip Flop’s auch nicht schlechtere Dienste leisten koennen als die suedafrikanischen Aldi-Schuhe und hab umgeruestet. Powerpaket mit Flip Flop’s und Socken – sieht scheisse aus und ist es mit der duennen Sohle auch. Alles besser als Aldi. Mittlerweile war die Sonne wieder da. Auf dem Weg zu meiner letzten Stunde der Wanderung hat mich dann ein Mann angehalten, der mir dringends davon abgeraten hat, das letzte Stueck durch den Wald zu laufen, zu haeufig sei dort schon jemand ausgeraubt worden. Dasselbe hatten mir auch schon die Leute in den BP’s gesagt also fing ich an zu gruebeln. Wollte es dann nicht riskieren also das naechste Auto angehalten und mit dem Auto nach PSJ. Bin so also nach 8 Stunden Wanderung und etwas Taxifahrt hier angekommen, im Jungle Monkey Backpackers. Ein nettes Plaetzchen. Meine jeden-Tag-Wanderklamotten stinken bis zum Himmel, ich sitze hier glücklich meinen Fuessen die verdiente Pause gönnend, trinke Bier und höre den „mich hört man in Südafrika in jedem Backpackers“: Jack Johnson.